Wahlkampfprogramm der Linken Liste - Dezember 2011

Wer kennt sie nicht, die Forderungen studentischer InteressenvertreterInnen nach mehr Wohnungen und mehr Bussen, nach mehr Datenschutz, mehr Master, mehr Bafög, mehr Umwelt und mehr Demokratie. An Runden Tischen zur Konsensfindung und in Protesten zur Verbesserung der studentischen Lage bitten diese Studierendenvertreter Hochschulleitung, Stadt, Politik und Wirtschaft um etwas mehr Entgegenkommen bei der Ausübung des allgemeinen Rechtes auf Bildung. Am Ende bleiben nichts als Zugeständnisse und Niederlagen. Sporadische Finanzspritzen wie bspw. der fragwürdige Hochschulpakt I und II werden bereits als Erfolge verbucht und führen konsequenterweise zu weniger Geschrei. Wenn dann solche Maßnahmen aber auch zu einem organisierten und rapiden Anstieg der Hochschulzulassungen beitragen, fühlen sich die StudentInnen doch wieder veranlasst, sich zu melden, denn bei allem Geschrei nach mehr für die Studierenden, sind mehr Studierende nicht unbedingt eingeschlossen. Und so werden die Forderungen auch schon mal in ihr Gegenteil verkehrt und die Bitte nach mehr Plätzen in die Beschränkung der Hochschulzulassungen durch NC verdreht.

Anstatt fortwährend quantitative Forderungen zu stellen, sollte sich die Hochschulpolitik endlich vor Augen führen, wie der beklagte Mangel und seine Folgeprobleme entstanden sind und warum sie sich notwendigerweise nicht lösen lassen. Im Kapitalismus bedeutet die Auseinandersetzung um die Verwendung staatlicher Gelder nun einmal einen Verteilungskampf zwischen gesellschaftlichen Klassen. Deshalb ist die Frage, wer für öffentliche Hochschulbildung aufzukommen hat, genauso wie die Ausrichtung von Hochschulbildung, ihrer Inhalte und der Aufbau des Studiums ein Bestandteil von Klassenauseinandersetzungen, auf deren einer Seite das Kapital mit seinem Interesse an einer Senkung der (Aus-)Bildungskosten seiner akademischen Hand- und Kopflanger und ihrer Vorsortierung steht und auf der anderen Seite eben diese (aus-) zu Bildenden, in ihrer Rolle als Studierende, die momentan unter den miesen Studienbedingungen und später unter den daraus folgenden schlechteren Lohnverhältnissen leiden.

Dass studentischen Forderungen daher von Seiten der Politik nicht immer direkt Folge geleistet wird, kann also nicht verwundern, denn weder bedarf es genauso vieler Master- wie Bachelor-Plätze um die gesellschaftliche Hierarchie aufrecht zu erhalten, noch nützt einer Lernfabrik die paritätische Beteiligung von Studierenden an hochschulinternen Entscheidungsprozessen. (Nicht zuletzt die Etablierung des Hochschulrates sollte den antidemokratischen Trend offenbart haben) Mehr Busse und Wohnungen kann es schon geben, sobald jemand dafür zahlt. Denn im Kapitalismus mangelt es den Menschen an nichts, die dafür zahlen können. Denen, die das nicht vermögen, mangelt es an allem.
Statt also das Bildungswesen immer wieder aufgrund seines Versagens bei der Erfüllung solcher Ziele wie umfassender Bildung für alle zu kritisieren, frage man sich lieber nach dem Ziel dieses Bildungssystems. Hier liegt nämlich kein Versagen vor, es werden nur schlicht und einfach andere Interessen verfolgt als die der (später lohnabhängigen) StudentInnen. Man berücksichtige bei diesen Betrachtungen z.B. den Zusammenhang der Bildungseinsparungen der letzten Jahrzehnte und die Argumentation für spätere Privatisierungen und Studiengebühren. Und man wundere sich doch endlich einmal, wozu Bildungsbeteiligung in der BRD von sozialer Herkunft abhängig ist.

Verteilungskämpfe werden nicht am Runden Tisch entschieden und auch nicht durch Forderungen, die auf „konstruktive Kritik“ abzielen. Für seine Interessen muss man kämpfen – vorher allerdings sollte man sich über diese Interessen klar werden. Unsere Forderungen formulieren diese Interessen so, dass sich daran Kämpfe initiieren lassen, die letztlich auch auf das Ganze zielen – auf ein System nämlich, in dem unsere Interessen nichts gelten:

  • Bildung ist kein Privileg, sondern muss ein Grundrecht sein. Der Zugang zur Hochschule darf nicht vom Geldbeutel abhängig gemacht werden. Studiengebühren sind daher auch für den nichtkonsekutiven Master abzuschaffen!
  • Für die Abschaffung des „Numerus Clausus“ und anderer Zugangsbeschränkungen!
  • Eine abgeschlossene betriebliche oder schulische Ausbildung muss zum Studieren an deutschen Hochschulen berechtigen. Unis dürfen keine eigenen Auswahlverfahren praktizieren!
  • Für eine Übernahme aller Bachelor-AbsolventInnen!
  • Für gleiche und geschlechtsunabhängige Berufschancen innerhalb der Hochschule!
  • Für die Verlängerung der Regelstudienzeit! Für das Verbot von Privatuniversitäten! Keine Eliteuniversitäten!
  • Ordentliche Finanzierung und Ausstattung der Hochschule.
  • Für Kritische Wissenschaft und gesellschaftskritische Hochschulpolitik! Wissenschaft muss für diejenigen betrieben werden, die aufgrund gesellschaftlicher Arbeitsteilung nicht den Zugang und Zeit zur entsprechenden Analyse haben. Hochschulpolitik darf die Universität nicht als quasi von jeglichem gesellschaftlichem Kontext unabhängig betrachten. Sinnvolle Hochschulpolitik braucht Gesellschaftsanalyse und -kritik. Was in einer kapitalistisch verfassten Welt auch Kapitalismuskritik impliziert.
  • Erkämpft das Allgemeinpolitische Mandat! Demokratische Aktivitäten und Meinungsäußerungen dürfen nicht sanktioniert werden. Weder unmittelbar durch das Verbot des allgemeinpolitischen Mandats noch durch spätere Berufsverbote.
  • Für eine Zivilklausel an den Hochschulen! Für eine zivile, humane und gesellschaftlich verantwortliche Wissenschaft, die dem Frieden dient und militärische Forschung ausschließt.

17.10. – Karl-Marx-Lesekreis liest „Dialektik der Aufklärung“

Am 17. Oktober 2011 findet um 20 Uhr das erste Treffen des Karl-Marx-Lesekreises im Infoladen Trier (Hommerstr. 14, Trier-Süd) statt. Gelesen werden soll in Zukunft Horkheimers/Adornos „Dialektik der Aufklärung“. Das erste Treffen soll dabei vornehmlich der Organisation der zukünftigen Treffen dienen und steht allen Interessierten offen.

Vortrag zum Nachhören: Extremismusklausel

Der am 18.07.2011 im Infoladen gehaltene und von der Linken Liste veranstaltete Vortrag zur sog. Extremismusklausel steht ab sofort zum Nachhören (mp3) bereit.

Koalitionsvereinbarung 2011/12

Hiermit veröffentlicht die Linke Liste die Koalitionsvereinbarung der AStA-tragenden Koalition aus Linker Liste, Campus Grün/Die Orangen und der Juso-HSG.

Vortrag: System und Subjekt

Zur Kritik des Strukturmarxismus Louis Althussers

mit Dr. Werner Seppmann

Donnerstag, 03. Februar 2011
Universität Trier, Raum A 6
18 Uhr c.t.

Eine eklatante kapitalistische Widerspruchsentwicklung hat zu einem neuen Interesse an der Marxschen Theorie geführt. Wie zuletzt in den späten 60er und 70er Jahren, ist eine Bewegung der »Kapital«-Lektüre und -Schulung entstanden. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, aber mit offenem Ausgang. Zwar gibt es nicht wenige Aneignungsbemühungen, um den gegenwärtigen Kapitalismus mit Hilfe des Marxschen Analyseverfahrens zu verstehen. Jedoch agieren ebenfalls eine ganze Reihe von »Kapital«- und Marxismus-Interpreten, denen es nicht darum geht, gesellschaftskritische Artikulationsbedürfnisse theoretisch zu fundieren, sondern die vorrangig damit beschäftigt sind, die Marxismus-Interessierten in ein Labyrinth weltloser Exegese zu führen. Im Resultat wird Marx ohne die 11. Feuerbachthese, also ohne die Perspektive der Gesellschafts-veränderung, interpretiert.

Solches Vorgehen hat eine lange Tradition. Argumentiert wird im Windschatten eines objektivistischen Theorieverständnisses, das in den 60er Jahren, dabei Grundelemente eines traditionellen Dogmatismus neu aufpolierend, von Louis Althusser propagiert wurde. Der KPF-Philosoph hatte mit seinem Ausruf »Das Kapital lesen« Furore gemacht. Der Hauptgedanke seines gleichnamigen Buches bestand in der Behauptung, daß das Marxsche »Kapital« die alleinige Basis eines »wissenschaftlichen« Marxismus sei und fast alle anderen theoretischen Erörterungen einer »ideologischen« Denkphase von Marx angehörten. Propagiert wurde ein Marx ohne Zivilisationskritik und humanistischer Selbstvergewisserung, ohne Entfremdungstheorie und konkreter Emanzi-pationsperspektive.

Ergebnisse der StuPa-Wahl 2010

Inzwischen stehen die Ergebnisse der Wahlen zum Studierendenparlament (StuPa) zwischen dem 7. und 9. Dezember 2010 fest. Demnach sind wir jetzt mit drei Sitzen im StuPa vertreten, das ist einer mehr als im letzten Jahr. Für weitere Ergebnisse sei auf TrUNews verwiesen.

Aber so geht das nicht.

Eine Entgegnung zu Simon Stratmanns Kritik des LiLi-Wahlprogramms (zu finden auf TrUNews.de).

Causa Stratmann

16.12. – Vortrag: „Zwischen Marx, Marxismus und Marxismen. Lesarten der Marxschen Theorie“

Am 16. Dezember 2010 wird Ingo Elbe (Rote Ruhr Uni) unter dem Titel „Zwischen Marx, Marxismus und Marxismen. Lesarten der Marxschen Theorie“ einen Vortrag halten über verschiedene Lesarten und Interpretationen von Marx. Die Veranstaltung beginnt 18 Uhr in Raum A7 der Uni Trier.

Schon zu Lebzeiten soll Marx sich dagegen verwehrt haben, als Marxist bezeichnet zu werden. Was verschiedene Strömungen des Marxismus aus ihrem Namensgeber machten, hatte viel mit den Eigenheiten der Systemkonkurrenz zu tun und erschien lange Zeit als gesetzt. Erst im Zuge der Publikation bislang unveröffentlichter Manuskripte und in Abgrenzung zu traditionellen Lesarten der Kritik der Politischen Ökonomie entwickelte sich eine „neue Marx-Lektüre”.

Der Vortrag soll einen Überblick über die theoretischen Kernvorstellungen der drei Marxismen (traditioneller und westlicher Marxismus sowie neue Marx-Lektüre) vermitteln und damit auch einen Beitrag zu einer differenzierten Herangehensweise an die Texte von Marx selbst leisten. Elbe stellt nicht nur die Vielfalt der jeweiligen Lesarten pointiert dar, sondern zeigt auch, wo die entscheidenden Unterschiede zur vorangegangenen Marx-Rezeption liegen. Er wird die Kernfragen vorstellen, um die die Debatten einer kritischen Aneignung der Marxschen Theorie kreisen.

Ingo Elbe hat Philosophie in Bochum studiert und über die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik promoviert.

Eine Veranstaltung der HSG Linke Liste in Kooperation mit der Jenny-Marx-Gesellschaft.

Aurora 05/10

Unsere (hochschul-)politische Zeitung zu den StuPa-Wahlen 2010:

Aurora 05/10 (Download)

Hochschulwahlen 2010 – Wahlkampfprogramm der Linken Liste

Wahlprogramm (Download)

Wer kennt sie nicht, die Forderungen studentischer Interessenvertreter nach mehr Wohnungen und mehr Bussen, nach mehr Datenschutz, mehr Bafög, mehr Umwelt …

An Runden Tischen zur Konsensfindung und in Protesten zur Verbesserung der studentischen Lage bitten diese Studierendenvertreter Hochschulleitung, Politik und Wirtschaft um etwas mehr Entgegenkommen bei der Ausübung des allgemeinen Rechts auf Bildung. Am Ende bleibt meist nichts als lächerliche Zugeständnisse und Niederlagen. Sporadische Finanzspritzen wie bspw. der fragwürdige Hochschulpakt werden bereits als Erfolge verbucht und führen konsequenterweise zu weniger Geschrei. Wenn dann solche Maßnahmen aber auch zu einem Anstieg der Hochschulzulassungen beitragen, fühlen sich die Studierenden doch wieder veranlasst, sich zu melden, denn bei allem Geschrei nach mehr für die Studierenden, sind mehr Studierende nicht unbedingt eingeschlossen. Und so werden die Forderungen auch schon mal in ihr Gegenteil verkehrt und die Bitte nach mehr Plätzen in die Beschränkung der Hochschulzulassungen durch NCs verdreht.

Anstatt weiter fortwährend quantitative Forderungen zu stellen, sollte sich Hochschulpolitik endlich vor Augen führen, wie der beklagte Mangel und seine Folgeprobleme entstanden sind. Im Kapitalismus bedeutet die Auseinandersetzung um die Verwendung staatlicher Gelder nun einmal einen Verteilungskampf zwischen gesellschaftlichen Klassen. Deshalb ist die Frage, wer für öffentliche Hochschulbildung aufzukommen hat, genauso wie Ausrichtung und Inhalt selbiger Teil von Klassenauseinandersetzungen. Auf deren einer Seite steht das Kapital mit seinem Interesse an einer Senkung der (Aus-)Bildungskosten seiner akademischen Handlanger und ihrer Vorsortierung und auf der anderen Seite eben diese (aus-) zu Bildenden, in ihrer Rolle als Studierende, die momentan unter den miesen Studienbedingungen und später unter den daraus folgenden schlechteren Lohnverhältnissen leiden.

Dass studentischen Forderungen daher von Seiten der Politik nicht immer direkt Folge geleistet wird, kann nicht verwundern. Weder bedarf es genauso vieler Master- wie Bachelor-Plätze um das Funktionieren des Kapitalismus zu erhalten, noch nützt einer Lernfabrik die paritätische Beteiligung von Studierenden an Entscheidungsprozessen.
Wenn also zum Beispiel Seminare chronisch überfüllt sind, liegt kein Versagen der politischen Akteure vor – es werden nur schlicht und einfach andere Interessen verfolgt als die der (später lohnabhängigen) Studierenden. So sind die Bildungseinsparungen der letzten Jahrzehnte und die Argumentation für spätere Privatisierungen und Studiengebühren kein Zufall. Und wieso ist etwa die Bildungsbeteiligung in der BRD von sozialer Herkunft abhängig?

Verteilungskämpfe werden nicht am Runden Tisch entschieden und auch nicht durch Forderungen, die auf „konstruktive Kritik“ abzielen. Für seine Interessen muss man kämpfen – vorher allerdings sollte man sich über diese Interessen klar werden. Unsere Forderungen bieten hierfür eine Grundlage, eine Grundlage die letztlich auch aufs Ganze zielt – auf die Abschaffung eines Systems, in dem unsere Interessen nichts zählen:

Bildung ist kein Privileg, sondern muss ein Grundrecht sein!

Der Zugang zur Hochschule darf nicht vom Geldbeutel abhängig gemacht werden. Studiengebühren sind daher in jeder Form abzuschaffen. Masterplätze müssen allen Bachelor-AbsolventInnen zur Verfügung stehen.

„Numerus Clausus“ und andere Zugangsbeschränkungen abschaffen!
Eine abgeschlossene betriebliche oder schulische Ausbildung muss zum Studieren an deutschen Hochschulen berechtigen. Unis dürfen keine eigenen Auswahlverfahren praktizieren.

Sofortige Einführung eines kostenfreien Orientierungssemesters!

Ordentliche Finanzierung und Ausstattung der Hochschule!


Für Kritische Wissenschaft und gesellschaftskritische Hochschulpolitik!

Wissenschaft muss für diejenigen betrieben werden, die aufgrund gesellschaftlicher Arbeitsteilung nicht den Zugang und die Zeit zur entsprechenden Analyse haben. Hochschulpolitik muss die Uni im gesellschaftlichen Kontext betrachten. Sinnvolle Hochschulpolitik braucht Gesellschaftsanalyse und -kritik.

Erkämpft das Allgemeinpolitische Mandat!
Demokratische Aktivitäten und Meinungsäußerungen dürfen nicht sanktioniert werden. Weder unmittelbar durch das Verbot des allgemeinpolitischen Mandats noch durch spätere Berufsverbote.

Wir brauchen ein Arbeiterkinderreferat im AStA!
Hochschulen gelten als Gradmesser für die soziale Durchlässigkeit eines Bildungssystems. Entgegen dem Anteil an der Gesamtbevölkerung stellen Kinder aus unteren sozialen Schichten hier die Minderheit. Ein Arbeiterkinderreferat würde Aufmerksamkeit auf die strukturelle Ursachen lenken und Studierenden aus sozial schwachen Schichten unterstützen.



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