Studienbedingungen an der Uni Trier 2009: Die Erstsemester sind geschockt, die höheren Semester haben wahrscheinlich ein Déjà-vu. Haben wir nicht letztes Jahr um die selbe Zeit auf einer Vollversammlung eine Resolution mit unseren Forderungen verabschiedet? Die damalige Resolution enthielt unter anderem Forderungen nach mehr Räumen, gegen NC´s und für eine freiere Gestaltung der Bachelor-/Master-Studiengänge. Ein gutes halbes Jahr später ging man im Rahmen des bundesweiten Bildungsstreiks wieder auf die Straße, um für solche und weitergehende Forderungen zu demonstrieren. Passiert ist seither einiges: NC´s wurden eingeführt, Konjunkturpakete geschnürt und wieder ausgepackt, Spatenstiche vollführt und doch schien die Uni-Leitung ob der Masse an Neuanmeldungen auch dieses Wintersemester mal wieder aus allen Wolken zu fallen. Glücklich die, die einen Seminarplatz ergattern konnten, glücklich die, die ihr Gesäß statt auf der Treppe oder gar im Freien auf einem Stuhl platzieren können. Der Unglücklichen gibt es immer noch genug – und zu den Missständen in Raumfragen kommt nun für die neuen Erstsemester noch der große Missstand namens Bachelor. Konnte man früher wenigstens noch in (nicht selten auch überfüllten) Seminaren und Vorlesungen die vom Dozenten zum Besten gegebenen Inhalte diskutieren und kritisch im eigenen Verstande bewegen, hat sich dieser Aspekt des Studiums mit dem Bachelor dank ständigen Prüfungs- und Zeitdrucks völlig erledigt. Ein Punkt der schließlich völlig eliminiert wird, sobald sich die vermeintlichen Reformer auf der Rechten durchsetzen, die den Hörsaal durch den Podcast zu ersetzen trachten. Lernbedingungen verbessert man aber nicht durch das Exilieren der Studierenden vor den Bildschirm, sondern durch längst fällige finanzielle Unterstützung des Bildungssystems – und zwar nicht nur dann, wenn mal wieder die Folgen einer kapitalistischen Krise durch Staatskonsum aufgefangen werden sollen.
Reagiert auf die miserablen Zustände der Bildung im Allgemeinen und an der Uni Trier im Besonderen wurde aber gerade mit solchen Konjunkturmitteln einerseits und verschärfter Selektion andererseits. Unter letztere fallen nicht nur die NC’s, die an der Uni Trier zum Wintersemester für 8 Fächer eingeführt wurden, sondern auch das Ba/Ma-System, genauso wie das dreigliedrige Schulsystem, das schon vor der Uni kräftig aussiebt.
Weil sie sich diese Situation nicht mehr länger bieten lassen wollen und inspiriert von Uni-Besetzungen in Österreich, halten mittlerweile Studierende in ganz Deutschland Räume an ihren Unis besetzt. Derzeit an Unis in Heidelberg, Münster, Potsdam, Darmstadt, Marburg, Tübingen, Greifswald, Duisburg-Essen, Mainz, Koblenz-Landau, Hamburg, Göttingen, Bielefeld, Würzburg, Hildesheim, Landau sowie in der TU Dresden, der TU Berlin, der FU Berlin und der Humboldt Universität in Berlin.
Symbolpolitik statt tatsächlicher Hilfe, verschärfte Selektion, Leistungsdruck, Ignorieren unserer Forderungen – Gründe zu Protestieren gibt es genug. Dass man sich von lautstarken Demonstrationen allein nicht sonderlich zu beeindrucken lassen scheint, mussten wir im Sommer erfahren. Unsere Forderungen bleiben aktuell, sorgen wir diesmal dafür, dass sie auch gehört werden!
Du möchtest die bestehenden Studienbedingungen und -inhalte nicht mehr tatenlos hinnehmen und bist interessiert an linker (Hochschul-)Politik?
Dann komm doch zu unserem Offenen Treffen am Donnerstag, den 05.11., um 18:30 Uhr in den Infoladen

Im Wintersemester 2009/2010
Infoladen immer um 20 Uhr
Do 5.11. Heaven‘s Gate
Michael Cimino, 1980 (Beginn um 19:30 Uhr!)
Do 10.12. Matewan
John Sayles, 1987
Do 14.01 Harlan County, USA
Barbara Kopple, 1976
Do 11.02. Jimmy Hoffa
Danny de Vito, 1992
Do 18.02 Bonus-Film: Red Dawn
John Milius, 1984
Wir freuen uns auf dein Kommen!

Rechtzeitig zum Semesterende ist eine neue Ausgabe unserer hochschulpolitischen Zeitung erschienen
Download (pdf): Aurora 02/2009
Viel Spaß bei der Lektüre und schöne Semesterferien
wünscht die Linke Liste
Das nächste Treffen des Lesekreises findet wie gewohnt am nächsten Montag um 20 Uhr im Infoladen statt.
Gelesen wird:
„Drittes Kapitel. Das Geld oder die Warenzirkulation. 2. Zirkulationsmittel“ (MEW 23, S. 118-142)
Das nächste Treffen des Lesekreises findet am Montag, den 20. Juli, wie gewohnt um 20 Uhr im Infoladen statt.
Gelesen wird: „Zweites Kapitel. Der Austauschprozess“ und „Drittes Kapitel. Das Geld oder die Warenzirkulation, 1. Maß der Werte“, MEW 23, S. 99-118.
Textgrundlage online unter ML-Werke
Die Hochschulgruppe Linke Liste lädt ein zum
KAPITAL – LESEKREIS
Am Montag, den 13.7.09 um 20:00 im Infoladen Trier. Und von da an wöchentlich.
Anlässlich der fortbestehenden Aktualität des Werks wird gemeinsam gelesen:
Das Kapital. Band I, Kritik der Politischen Ökonomie
von Karl Marx
Es bietet sich (noch) die Möglichkeit zum Einstieg von Neulingen, da der Lesekreis sich erst jüngst gebildet hat. Am kommenden Montag wird nach erfolgter Einzellektüre das gesamte erste Kapitel des Kapital („Die Ware“) besprochen, dabei wird insbesondere Punkt 4 („Der Fetischcharakter der Ware und sein Geheimnis“) beleuchtet werden. Auch lesen die TeilnehmerInnen bis dahin die Vorworte zum Kapital, die ebenfalls bei Bedarf diskutiert werden. Art und Weise der Diskussion beeinflussen die Anwesenden. Der Kreis freut sich stets über Neueinsteiger und fasst zu diesem Zweck die bereits erlangten Erkenntnisse zusammen.
Textgrundlage online unter ML-Werke

Kreationismus auf dem Vormarsch? – Vortrag
Di, 14.07. – 18-20 Uhr – Raum A6 – Universität Trier
Vor nunmehr 150 Jahren wurde die Evolutionstheorie von Charles Darwin begründet. Sie ist eine der wichtigsten wissenschaftlichen Theorien der Moderne und wird nicht ohne Grund als eine der drei Kränkungen der Menschheit erstanden. Darwins Theorie ist in ihrer Wirkung so nachhaltig wie kaum eine andere und wirkt weit über die Naturwissenschaften hinaus, indem sie zum besseren Verständnis des gesellschaftlichen Zusammenlebens beiträgt. Es wäre allerdings zu weit gegriffen, wollte man die Selbstverständlichkeit, mit der heute in der Wissenschaft über Darwins (r)evolutionäre Gedanken diskutiert wird, auf die soziale Wirklichkeit übertragen.
Darwins Grundgedanken waren von Anfang an vor allem der Kritik der (christlichen) Kirchen und religiös-fundamentalistischer Bewegungen ausgesetzt, die durch die Evolutionstheorie ihr Weltbild erschüttert sahen. Diejenigen, die nur die wortwörtliche Deutung der Offenbarungsschrift der Abrahamitischen Religionen als Erklärung für die Entstehung des Lebens gelten lassen, werden als KreationistInnen bezeichnet. Der Kreationismus ist sowohl bei Christen und Juden als auch bei Muslimen weit verbreitet und gewinnt auf der ganzen Welt an Bedeutung.
Der Ort, an dem die Auseinandersetzung zwischen der (naturalistischen) Wissenschaft und dem religiösen (kreationistischen) Weltbild ausgefochten wird, ist die Schule. Seit längerem versuchen Kreationisten auf die Schulpolitik Einfluss zu nehmen und religiöse Deutungsmuster verstärkt in den Unterricht mit einfließen zu lassen. Forderungen nach einer ‚Gleichbehandlung‘ von Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube werden ebenso laut wie die Forderung, neben Sexualkunde auch die Evolutionstheorie nicht zu unterrichten, da diese das Kind ‚verrohen‘ würde. Immer öfter werden Fälle bekannt, in denen Eltern ihre Kinder aus religiösen Gründen von der Schule fernhalten bzw. in denen Schulen in privater Trägerschaft in Verdacht geraten, wissenschaftsfeindliche Inhalte zu vermitteln. Provokativ könnte man sagen, dass sich in unserer sozialen Umwelt eine Art ‚christliche Parallelgesellschaft‘ herausbildet.
Im Vortrag soll diese Entwicklung aufgezeigt und kritisch beleuchtet werden.
Referent: Christoph Lammers M.A., Politik- und Sozialwissenschaftler. Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachgruppe Biologie und ihre Didaktik an der TU Dortmund. Chefredakteur des politischen Magazins MIZ und Mitherausgeber des Buches ‚Die unerschöpfte Theorie. Evolution und Kreationismus in Wissenschaft und Gesellschaft. Aschaffenburg 2008.
Eine Veranstaltung der HSG Linke Liste in Kooperation mit der Jenny-Marx-Gesellschaft für politische Bildung e.V..

Die Aurora ist eine politische Kleinzeitung der Linken Liste HSG
Download:
Aurora 01/2009
Aurora 02/2009
Editoral der ersten Ausgabe
Plagejahre
Die Salve aus der Bugkanone eines Panzerdeckkreuzers gab das Signal. Am Abend des 25. Oktober (julianischer Rechnung) 1917 stürmten Rotgardisten das Winterpalais, den Sitz der provisorischen Regierung Kerenski. „Heda, ihr Provisorischen! Runter! Macht Platz! Abgerollt ist euer Streifen!“ (Majakowski) Um 21:40 Uhr ertönte das Signal, um 2:10 Uhr gab es keine bürgerliche Regierung mehr. Der Kreuzer, der feuerte, hieß Aurora; das Ereignis, das er einleitete Oktoberrevolution. Lenins brausender Oktober / Half der Menschheit auf den Sprung, / Freilich wieder nur in grober / Paradieses Näherung. / Plagejahre, Übergang – / Manches dauert gar zu lang.
Im Frühjahr 2009, fast ein Jahrhundert nach dem ersten Anlauf und zwanzig Jahre nach dem vorläufigen Sieg der Konterrevolution, scheint die Aussicht auf eine erneute Morgenröte im Aufgang verstellt. Zwar sind im Angesicht seiner seit Jahrzehnten schwersten Krise die objektiven Bedingungen der Möglichkeit, dem Kapitalismus den finalen Tritt in den Orkus zu verpassen im Grunde längst herangereift. Doch weit und breit niemand, der diesen Tritt auszuführen imstande wäre. Das revolutionäre Subjekt liegt im Koma. Die bisher lautesten Kritiker der Verhältnisse verstummten jählings, als sie feststellen mußten, daß ihre Rezepte nun die des Staates sind, die Gewerkschaften haben sich in atemberaubender Geschwindigkeit der Sozialdemokratie wieder angenähert, Kommunisten ringen untereinander, bar jeder praktischen Wirkmächtigkeit, angestrengt um den angemessenen Begriff des Ganzen. Eine Sonne ohne Farben / Schleppt sich hinter Wolken hin. / Du auch, Liebste, läßt mich darben, / Bist woanders, als ich bin. / Plagejahre, Übergang – / Manches dauert gar zu lang. (Peter Hacks) Die LinkeListe agiert auf besonders unwirtlichem Terrain. Nolens volens hat sie sich auf dem akademischen Affenfelsen einzurichten, auf dem der Anteil an Migränetypen ausnehmend hoch ist: Wo der eine Ordinarius – wie man hört – seine Vorlesungen auf der Basis zweifelhafter Wikipedia-Informationen abhält, der andere in seiner Vorlesung Sitzung für Sitzung Filmchen zeigt. Wo die Motivation für einen „Bildungsstreik“ durchaus und vermutlich nicht selten auch daher rührt, daß man sich verbesserte Bedingungen einer Ausbildung wünscht, an deren Ende gefälligst der Beginn eines gutdotierten Ausbeutungsverhältnisses stehen soll, das eine spezielle Aufgabe hat: die gesamtgesellschaftliche Aufrechterhaltung und Verstetigung der Ausbeutung der Ware Arbeitskraft. Elitedenken – Elitetun; studentisches Wünschen und Wollen – studentische Projektion. Diesen desperaten Zuständen möchte die LinkeListe ein trotziges und letztlich optimistisches „Dennoch! – Auf das sich die Dinge ändern!“ entgegensetzten. Die Aurora ist ihr Organ, ihr Name Synonym dieses Anspruchs.